Farbforschung

Sikkens steht für Innovation und ist führend in der Umsetzung neuer Ideen und zukunftsgerichteter Technologien.

Das ACC-System - die Ordnung der Farben

Alle Kollektionen von Sikkens bauen auf dem eigens entwickelten ACC-System (Acoat Color Codification) auf, das weltweit von Architekten angewandt wird. Diese Kodierung ordnet die Farben nach ihren Grundeigenschaften – Farbton, Sättigung und Helligkeit. Farbtöne werden so exakt definiert und systematisch gekennzeichnet.





Das Wort für eine Farbe löst bei vielen Menschen eine unterschiedliche Vorstellung über den Farbton aus: Das Wort "Rot" kann für den einen ein helles Signalrot bezeichnen, ein anderer wiederum stellt sich das satte Rot reifer Tomaten darunter vor. Um Missverständnisse zu vermeiden, hat Sikkens sämtliche Farbtöne der 5051 Farbkollektion über das Acoat Color Codification-System definiert. Farben gleicher Helligkeit oder Sättigung können dank des ACC-Systems schnell und passgenau zusammengestellt und Farben eines Farbtonbereichs problemlos arrangiert werden.

Mittels einer sechsstelligen Codierung werden die Farben nach ihren Grundeigenschaften, Farbton, Sättigung und Helligkeit, geordnet. Je zwei Ziffern dieser Codierungen stehen dabei für die Sättigung und die Helligkeit, der Farbton wird dagegen durch eine Kombination aus Buchstaben und Ziffern gekennzeichnet.

Der Farbtonbereich

24 Buchstaben stehen für 24 Sektoren des Farbtonkreises - von Rot und Orangen (A bis E) über Gelb (F und G) nach Grün (H bis P), Blau (Q bis U) bis Blau- und Rotviolett (V bis Z). Des Weiteren werden die 24 Farbtonsektoren zur genauen Unterscheidung in jeweils zehn Teile geteilt - von beispielsweise A0 bis A9.








Helligkeit und Sättigung

Die Helligkeit und der Sättigungsgrad eines Farbtons werden jeweils durch Masszahlen von 00 bis 99 angegeben. Dabei steht die "99" für die höchstmögliche Helligkeit und Sättigung. Daraus ergibt sich beispielsweise für ein gesättigtes Rot von mittlerer Helligkeit die Codierung C0.50.40. Die ersten beiden Stellen "C0" stehen für den Rotton, "50" steht für eine relativ hohe Sättigung des Tones und "40" für die Helligkeit. Beträgt die Sättigung einer Farbe weniger als 03, so wird für die Farbtonkennzeichnung dieser Farbe der Buchstabe "N" (= neutral) anstatt der Ziffer verwendet. So bezeichnet der Code FN.02.88 eine annähernd neutrale Farbe mit geringer Sättigung - in diesem Fall mit geringem Gelbanteil - und hoher Helligkeit.

Neutrale Farben

Die neutralen Farben Weiss, Grau und Schwarz werden anstelle der für den Farbton geltenden Buchstaben-Ziffer-Kombination mit "ON" gekennzeichnet. Auch erhalten die neutralen Farben, die keine Buntheit und damit auch keine Sättigung aufweisen, die Sättigungskennzeichnung "00"; Schwarz hat die Helligkeitsbezeichnung "00"


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Farben - dem Geheimnis auf der Spur

Die Farbdesignerin Heleen van Gent, Leiterin des AkzoNobel Global Aesthetic Center, erklärt, wie Farben unsere Fantasien beflügeln, Gefühle transportieren, Sicherheit vermitteln und dabei auch noch für Trends und ganz persönliche Vorlieben stehen.

Interview Herbst 2011


Wie kommt es, dass manche Farben gefallen, andere wieder nicht?

Es gibt Töne und Farben, die wir schon in unserer Kindheit kennen lernen und mögen. In einer gewissen Weise werden uns diese Farben auch nie verlassen. Aber Lieblingsfarben können sich natürlich verändern. Sie werden beeinflusst - zum Beispiel von der Mode. Dabei geht es nicht nur darum, was man sieht, sondern auch, was Freunde erzählen. Manchmal ist es so, dass Farben im ersten Moment gar nicht gefallen. Aber dann - nach ein paar Wochen - trägt man sie plötzlich doch. Lila ist zum Beispiel so ein Fall. Grundsätzlich ist es aber trotzdem so, dass es immer bestimmte Vorlieben gibt und immer geben wird.

Kulturen haben verschiedene Geschmäcker. Gilt das auch für Farben?

Auf jeden Fall. Die Farben der Erde spielen dabei eine grosse Rolle. Helle Farben wirken zum Beispiel wunderschön in der Sonne. In den USA sind die Farben grauer und blasser, in Indien vibrieren sie regelrecht. Dort kommen Farbkombinationen vor, an die die westliche Welt im Moment nicht einmal denken würde. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass sich Farb-Vorlieben immer mehr angleichen. Es gibt globale Trends - ausgelöst durch Fernsehen, Kino, Mode. Die Medien haben hier einen grossen Einfluss. Trotzdem möchten wir immer etwas, was unser ist, was uns einzigartig macht. Und das gilt natürlich auch für Farben.

Mode ist schnelllebig. Gilt das auch für Farbtrends?

Trends verändern sich. Manchmal so schnell, dass verschiedene Trends sogar nebeneinander existieren. Wir bei AkzoNobel konzentrieren uns auf langfristige Trends. Kleidung kann jeden Tag gewechselt werden - je nach Stimmung und Anlass. Bei Farbanstrichen ist das natürlich nicht möglich. Deshalb müssen sie kurzfristige Schwankungen überdauern. Zwei bis drei Jahre sind eine realistische Zeit. Wir hatten zum Beispiel den Grau-Trend - und es gibt immer noch Menschen, die stolz sind, ihr Haus in Grautönen zu streichen. Sie glauben, das entspricht dem Zeitgeist. Und das ist in gewisser Art und Weise ja auch richtig. Nur, dass die kalten Grautöne inzwischen wärmeren gewichen sind.

An zahlreichen Gebäuden - zum Beispiel an Hotels oder Shopping-Centern - wird heute wieder vermehrt zu Farbe gegriffen. Wie ist das zu erklären?

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen Farben und Farbkombinationen offener gegenüberstehen. Was auch Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins sein kann. Architekten haben ihren Fokus in der Vergangenheit oft vor allem auf die Form gelegt. Farbe war etwas, was am Ende irgendwie verarbeitet werden musste. Das ist heute anders. Farben werden von Anfang an in die Design-Konzepte integriert. Das ist vor allem bei jüngeren und weiblichen Architekten zu beobachten. Es ist ein komplett anderer Ansatz. Das ist allerdings nur möglich, weil es heute für die verschiedensten Materialen hochwertige und lang anhaltende Spezialanstriche gibt.

Der Effekt ist auf jeden Fall wunderbar. Er lädt die Menschen ein, sich mehr zu trauen.

Ist Konsumenten eigentlich bewusst, warum sie sich für eine bestimmte Farbe entscheiden?

Vieles spielt sich im Unterbewusstsein ab. Es ist ein schleichender Prozess. Deshalb ist die Herausforderung für Unternehmen ja auch so besonders gross. Die Frage ist: Wofür wird sich der Konsument in der Zukunft entscheiden?

War der Erfolg der Farbe Weiss eine Überraschung?

Nein. Wir brauchten etwas Helles – nach all dem Silber, Schwarz und Grau. Eine grosse Gruppe wird allerdings immer beim Grau bleiben. Das ist einfach so. Weiss war und ist etwas für die Gruppe der modernen, modebewussten und jungen Generation. Das hat auch etwas mit dem 21. Jahrhundert zu tun. Mit Optimismus und Hoffnung. Und dem Gedanken, dass jetzt alles möglich ist.

Woher weiss man, welche Farben in Zukunft unser Leben bestimmen? Wie kommt man den Trends von morgen auf die Spur?

Wir müssen beobachten und bewusst erleben, was in der Welt passiert. Nehmen wir noch einmal die Farbe Weiss: Wir müssen wissen, warum sie plötzlich aufgetaucht ist. Wo sie herkam, und was der Hintergrund war. Trends werden nicht erfunden, sie entstehen. Unsere Arbeit besteht darin, schleichende Veränderungen aufzunehmen, Spannungen zu spüren, Sehnsüchte zu erkennen. Im Moment leben wir in einer unruhigen Zeit. Die Menschen erhalten so viele Informationen, dass sie sich nach Farb-Kombinationen sehnen, die Ruhe ausstrahlen. Und wir geben ihren diese Kombinationen - natürlich, beruhigend, schön anzusehen. Am Ende geht es immer darum, dass jemand eine Farbe oder eine Farbkombination sieht und sagt: Das ist schön. Ohne dass er eigentlich weiss, warum.

Wie sieht die Arbeit des Global Aesthetic Center konkret aus?

Ein grosser Teil unserer Arbeit besteht darin, Farbkonzepte und -paletten, Broschüren und Anzeigen zu entwerfen. Dafür müssen wir natürlich wissen, welche Trends sich entwickeln, um diese zu erkennen und zu nutzen. Wir sehen uns Zeitungen, Zeitschriften und Magazine an, besuchen Design- und Modemessen. Dabei geht es nicht um die grossen Medien-Events, sondern um die kleinen Dinge. Wie die Menschen leben, was sie denken, wie sie fühlen. Einmal im Jahr gibt es dazu ein globales Meeting mit externen Experten. Architekten sind dabei, Modemacher, Designer. Viele Impulse gehen von Grafik-Designern aus. Ihre Arbeit ist oft kurzlebig. Deshalb können sie experimentieren. Sie sind frei in ihren Ideen und trauen sich, Farben einzusetzen. Das ist sehr inspirierend. Die gesammelten Informationen nehmen wir mit zu Akzo Nobel und machen sie zur Grundlage unseres „workshop for future colours“.

Lassen Sie uns über den Gesundheitsbereich sprechen. Sikkens hat einen eigenen Farb-Guide entwickelt. Welche Idee steckt dahinter?

Aufenthalte bei Ärzten oder in Krankenhäusern gehören in der Regel nicht zu den schönen Zeiten unseres Lebens. Mit dem Sikkens Healthcare-Konzept geben wir Planern, Designern und Architekten einen Leitfaden an die Hand, um Einrichtungen des Gesundheitswesens zwar funktional, aber doch angenehm warm zu gestalten. Gleichzeitig geht es darum, Leit-Systeme zu entwickeln. Unterschiedliche Bereiche werden farblich voneinander abgegrenzt, lange Flure erhalten Kontraste, Eingangs- und Schlüsselbereiche werden farblich hervorgehoben. Am Ende geht es immer darum, Patienten Sicherheit zu geben und sie nicht zu verwirren.

Die Farbe des Jahres 2011 war ein leichtes frisches Gelb. Was erwartet uns 2012?

Ein lebhaftes, erfrischendes Rot wird das heutige Jahr bestimmen. Der strahlende Farbton ist zugleich seriös und verrückt, dynamisch und sanft. Perfekt für einen Tupfer an der Kleidung, einen Rennstreifen auf dem Auto oder gleich für eine ganze Wand. Rot: stark, selbstbewusst, dominant und heiss. Die Farbe durchzieht unseren Alltag wie der sprichwörtliche rote Faden und kehrt als zentraler Farbklecks immer wieder in unser Leben zurück. Rot ist die wohl mehrdeutigste Farbe auf der Welt.

Für verschiedene Menschen kann Rot die unterschiedlichsten Bedeutungen haben: In China wird die Farbe mit Wohlstand verbunden, in Indien signalisiert sie Glück in der Ehe und Durchsichtigkeit. Im Westen ist Rot wiederum die Farbe von Macht, Leidenschaft und Begierde - so finden Männer laut einer Studie der Universität Rochester Frauen attraktiver, die rote Kleidung tragen. Das sind alles positive Assoziationen.

Für die nächsten Jahre erwarten wir, dass dieser Farbtrend noch einige Zeit andauern wird - er ist eben mehr als eine Modeerscheinung. Er ist Ausdruck eines Lebensgefühls.


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